Vietnam-Ambulanz

Vietnamesischsprachige Spezialambulanz

An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité am Campus Benjam Franklin wird in Kooperation mit der Deutsch-Vietnamesischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychologische Medizin erstmalig eine ambulante muttersprachlich vietnamesische Beratung angeboten. Spezielle Zielgruppe dieser Ambulanz sind Menschen mit einem vietnamesischsprachigen Hintergrund, insbesondere solche mit noch nicht ausreichenden deutschen Sprachkenntnissen oder Berührungsängsten mit dem deutschen Psychiatriesystem. Als ärztliche Ansprechpartner stehen hierfür nach Kontaktaufnahme und Terminvergabe mittels Email (tuvan-vietnam@charite.de) oder per Telefon (030-8445-8216 / 0177-6574490) eine muttersprachliche und in Vietnam medizinisch ausgebildete Psychiaterin und ein deutscher Psychiater mit Vietnamesischkenntnissen zur Verfügung. Das Angebot umfasst dabei psychosoziale Beratung, Vermittlung von Kontaktadressen und eine ausführliche vietnamesisch-kultursensitive Diagnostik und Behandlung aller psychiatrischen Erkrankungen in einem ambulanten und ggf. stationären Setting. Mit diesem Spezialangebot schließt die Ambulanz eine Versorgungslücke für vietnamesischsprachige Migranten, insbesondere im Raum Berlin und Brandenburg.

Download Flyer (vietnamesisch-deutsch) der Spezialambulanz

Hintergrund

Menschen, die längere Zeit in einem zunächst fremden Land oder einen fremden Kultur leben, leiden aufgrund ihrer Lebenssituation oftmals an unterdiagnostizierten und mangelhaft therapierten psychischen Erkrankungen. Hintergrund sind einerseits typische Probleme im Rahmen von Migrationserfahrungen wie beispielsweise soziale Isolation und Ausgrenzungserfahrungen sowie unerwartete Integrations- und Anpassungsschwierigkeiten. Andererseits bestehen bei der Behandlung von manifesten psychischen Erkrankungen oftmals therapielimitierende sprachliche Barrieren und auf Seiten der Behandler mangelhafte Berücksichtung spezifischer kultureller Aspekte psychicher Störungen.

In Studien konnte dabei nachgewiesen werden, dass Angehörige ethnischer Minderheiten insgesamt deutlich häufiger an psychischen Störungen erkranken als vergleichbare Einheimische. Dies trifft nicht nur auf affektive Störungen (Depressionen, bipolare Störungen), Angststörungen und Anpassungsstörungen, sondern auch auf nicht affektive Störungen, beispielsweise Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis (Archives of General Psychiatry, 2008; 65: 1250-1258), zu. Gerade in Städten mit einem hohen Anteil an Migranten stellt die Herkunft der Menschen einen wichtigen Risikofaktor für das Auftretenn von Psychosen dar, wobei es insgesamt hinsichtlich des erhöhten Erkrankungsrisikos von Migrantennur geringe Unterschiede zwischen den affektiven und nicht-affektiven Störungen gibt.

Situation in Berlin

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Berliner Bevölkerung beträgt rund 15%. Angebote eines modernen psychiatrischen Versorgungssystems sollten sich daher ohne Unterschiede an alle Einwohner Berlins richten. Der Notwendigkeit, die kulturell, familiär oder religiös bedingten Unterschiede im Rahmen der psychiatrischen Diagnosestellung und Behandlung von Menschen mit Migrati­onshintergrund zu berücksichtigen, konnte in Berlin bisher nur für einen Teil der Migranten nachgekommen werden. Interkulturell ausgerichtete Spezialambulanzen richteten sich bisher im Besonderen an erkrankte Migranten mit beispielsweise türkisch- oder russischsprachigem Hintergrund und sind bereits in mehreren Bezirken Berlins zu finden.

Aufgrund der mangelnden sprachlichen Kompetenzen von PsychiaterInnen gibt es für Menschen mit einem asiatischen Hintergrund jedoch kaum vergleichbare Angebote. Dabei haben über 10 % der in Berlin lebenden Migranten einen ost- oder südostasiatischen Migrationshintergrund, wobei hierbei vietnamesische Staatsbürger mit über 12000 Personen die größte Bevölkerungsgruppe aus dem asiatischen Raum darstellen. Hinzu kommt eine vergleichbare Anzahl von Menschen mit einem vietnamesischen Hintergrund, die bereits die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Insgesamt ist in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg von in Berlin lebenden Vietnamesen zu verzeichnen (Quelle: Veröffentlichung des Statistischen Landesamtes Berlin, 2007).

Forschung

Das Angebot der vietnameischsprachigen Spezialambulanz wird wissenschaftlich von mehreren Forschungsprojekten begleitet. Neben epidemiologischen Studien zur interkulturellen Stigma- und Einstellungsforschung in Berlin und Ha Noi wurden bereits eine wissenschaftliche und klinische Kooperation mit dem Ersten Nationalen Psychiatrischen Krankenhaus Thuong Tin, Ha Noi, aufgenommen. Weitere Kooperationsprojekte mit psychiatrischen Universitätskrankenhäusern in Vietnam einschliesslich eines wissenschaftlichen Ausstausches werden derzeitig vorbereitet.

Ärztliche Mitarbeiter der vietnamesischen Spezialambulanz

Thi Minh Tam Ta

Eric Hahn

Kontakt

E-Mail: tuvan-vietnam@charite.de

Telefon: 030-8445-8216 / 0177-6574490

Letzte Modifikation: 4.05.2010