Erregungszustände

Ein Erregungszustand ist das häufigste der psychiatrischen Notfallsyndrome und führt sehr häufig zu einer Aufnahme in einer psychiatrischen Klinik. Die primäre Aufgabe des Psychiaters ist es, in kurzer Zeit und mit oftmals unvollständigen Informationen über den Patienten und seine Lebensumstände eine der vielfältigen Ursachen für die Erregung zu finden und die richtige Behandlung einzuleiten. Deswegen ist insbesondere eine sog. organisch fassbare Ursache des Erregungszustandes abzuklären. Hierzu gehört z.B. eine Schilddrüsenüberfunktion, ein Bluthochdruck, eine Entzündung des Gehirns, eine Störung im Hormonhaushalt, eine Leber- oder Nierenfunktionsstörung und andere Erkrankungen.

 

Zu den Zeichen eines Erregungszustandes gehören Agitiertheit, innere Unruhe, Aggressivität, Zittern, Herzrasen, Schweißausbrüche und verschiedene andere körperliche Beschwerden. Erregungszustände kommen am häufigsten bei Panikattacken, schizophrenen und manischen Psychosen, Intoxikationen (Vergiftungen durch Drogen), sog. Organischen Psychosen, aber auch bei ängstlich-agitierten Depressionen vor.

Aggressiver Erregungszustand

Diese Form der Erregungszustände kommt bei vielen psychiatrischen Krankheiten vor. Bei Schizophrenie ist besonders eine plötzliche Aggression zu beobachten, die durch Halluzinationen oder Wahngedanken ausgelöst wird. Hier kann die Umgebung meist nicht rechtzeitig angemessen reagieren. Bei der Manie der bipolaren affektiven Störung kommt es häufig zu gereizt aggressiven Zuständen, die sich leicht aufschaukeln und zu Ausnahmezuständen mit heftiger Aggression steigern können. In Schweden wurde eine Rate von Männern, die wegen Aggressionshandlungen verurteilt wurden, von 5.7% berichtet. Männer mit einer der schweren psychiatrischen Erkrankungen haben ein 4-fach erhöhtes Risiko. Studien über behandelte Patienten mit den entsprechenden psychiatrischen Krankheiten weisen im Gegensatz dazu kein erhöhtes Risiko auf.

Enthemmungszustände

Bei gestörter Verhaltenskontrolle kommt es bereits bei weniger starker Erregung zu Verhaltensstörungen. Dies ist bei Demenz der Fall, beim Delir und beim Dämmerzustand im Zusammenhang mit epileptischen Erkrankungen. Auch bei manischen Krankheitsbildern wird eine Enthemmung beobachtet.

Angst

Die ängstliche Erregung verläuft anders als die erstgenannten Erregungszustände. Sie ist selten mit Gefährdung von Personen verbunden. Patienten mit einer Angsterkrankung werden in vielen Fällen vom Notarzt oder in Notaufnahmen im Krankenhaus gesehen. Häufig handelt es sich bei den akuten Angstzuständen um eine sogenannte Panikattacke, die mit Todesängsten und starken akuten körperlichen Beschwerden wie Schwindel, Herzrasen, Schwitzen u.ä. auftritt. Außerdem können Angstzustände auch bei einer Drogenintoxikation beispielsweise mit Angst vor halluzinierten Objekten oder Menschen auftreten.

Delir

Das Delir ist ein Krankheitsbild, das bei dem raschen Absetzen von Alkohol bzw. Beruhigungsmitteln bei Patienten mit einer dementsprechenden Abhängigkeit auftritt. Zu den Symptomen gehören neben der motorischen Unruhe und Erregung eine Desorientiertheit, Bewusstseinsveränderungen, abrupte Stimmungswechsel, Sinnestäuschungen (insb. optische Halluzinationen) und Wahn.

Intermittierend explosible Störung

Maßnahmen bei Erregungszuständen

Bei Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung muß der Patient in einem psychiatrischen Krankenhaus überwacht werden und/oder Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Je nach Ursache und Ausprägung des Erregungszustandes wird eine spezifische Behandlung angestrebt. Bei Angstzuständen ist oftmals ein entlastendes Gespräch und/oder die Gabe eines sog. Benzodiazepins (z.B. Lorazepam) wirksam.

Bei ausgeprägten, oftmals auch aggressiven Erregungszuständen kann u.a. die hochdosierte Gabe z.B. von Lorazepam, Valproinsäure und/oder einem sog. Neuroleptikum hilfreich und notwendig sein.

Bei einer deliranten Entzugssymptomatik gibt man z.B. Clomethiazol.

Bei Impulsdurchbrüchen bzw. der intermittierend explosiblen Störung kann auch ein langfristiger Behandlungsversuch mit einem Serotoninwiederaufnahmehemmer angezeigt sein.

 

 

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Letzte Modifikation: 7.01.2010