Forschung
Die Leiterin des Schlaflabors ist Mitglied einer Arbeitsgruppe (Task Force) der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), die sich im Rahmen von Maßnahmen zur Qualitätssicherung mit der Verbesserung der Reliabilität der Auswertung von Polysomnographien beschäftigt. In diesem Zusammenhang stehen auch Publikationen zur Übereinstimmung der Auswertung bei Experten (Danker-Hopfe et al 2004; 2009). Die Publikation aus 2004 wurde im Rahmen einer evidenzbasierten Bewertung von Arbeiten zu diesem Thema durch die American Association of Sleep Medicine (AASM) als einzige mit dem höchsten Gütelevel bewertet (Silber et al. 2007). Die Expertise unserer Arbeitsgruppe wird auch dadurch deutlich, dass sie wiederholt für multizentrische klinische Studien als zentrales Auswertelabor beauftragt wird. Die ausgewiesenen Kenntnisse in diesem Bereich werden auch dadurch deutlich, dass die Leiterin des Labors Mitglied in der Kommission Ausbildung sowie der Kommission zur Umsetzung der AASM-Empfehlung zur Aufnahme und Auswertung von Polysomnographien der DGSM ist.
Grundlage für die Bewertung von Aufzeichnungen des Schlafes im Schlaflabor (Polysomnographie) ist eine Schlafstadienklassifikation, die eine z.T. erhebliche Variation zwischen verschiedenen Experten aufweisen kann. In diesem Forschungsansatz wurde die Übereinstimmung von visuellen Expertenscorings mit automatischen Auswertungsalgorithmen untersucht. Eine Task Force der American Association of Sleep Medicine hat sich mit Untersuchungen zur Übereinstimmung von automatischen Schlafauswertungen und Expertenscorings beschäftigt (Penzel et al. 2007). Eine, von den zwei in diesem Zusammenhang mit dem höchsten Gütekriterium (Level 1) bewerteten Arbeiten (Anderer et al 2005), ist unter Beteiligung unserer Arbeitsgruppe entstanden.
Es gibt eine Vielzahl physiologischer (Multipler Schlaflatenztest, Multipler Wachbleibetest, Pupillograpischer Schläfrigkeitstest) und psychologischer Testverfahren zur Erfassung unterschiedlicher Komponenten der Aufmerksamkeit (tonische und phasische Aktivierung, geteilte Aufmerksamkeit, selektive Aufmerksamkeit und Vigilanz). In unserem Labor werden Untersuchungen zu Zusammenhängen zwischen verschiedenen Indikatoren von Aufmerksamkeit sowie Studien zur Normierung von Testverfahren durchgeführt (Sauter et al., 2008). Mehrere Studien befass(t)en sich mit der Praxis der Anwendung des Multiplen Schlaflatenztests und des Multiplen Wachbleibetests in Laboren, welche von der DGSM akkreditiert sind (Danker-Hopfe et al. 2006).
Sowohl der Schlaf wie auch das Gedächtnis unterliegen altersbedingten Veränderungen. Im Vergleich zu jungen Personen weisen Personen mittleren und höheren Alters eine geringere Gesamtschlafzeit und Schlafeffizienz sowie weniger Tiefschlaf, REM-Schlaf und Schlafspindeln auf. Gleichzeitig sind die Anzahl von Aufwachereignissen und die Wachzeit während der Nacht erhöht. Das deklarative und das prozedurale Gedächtnis werden durch Alterungsprozesse ebenfalls beeinflusst.
Angesichts der aus Studien an jungen Probanden vorliegenden Hinweise auf die Bedeutung des Schlafes für die Gedächtniskonsolidierung ist eine Untersuchung zur Relevanz des Schlafes für Gedächtnisprozesse bei älteren Personen von besonderem Interesse. Diese Frage wurde in initial von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekten an 160 älteren, gesunden Personen im Alter von 60 bis 85 Jahren untersucht.
Inzwischen wurde die Fragestellung des Zusammenhangs zwischen Schlaf und Gedächtnis auch auf Patienten mit affektiven und Persönlichkeitsstörungen ausgedehnt.
In einer weiteren aktuellen Studie werden mögliche Effekte nächtlicher Gleichstromstimulation auf das Gehirn und die Gedächtniskonsolidierung bei älteren Menschen untersucht. In diesem Zusammenhang konnten bereits bei jüngeren Versuchspersonen in einem deklarativen Gedächtnistest unter der Stimulationsbedingung signifikant bessere Gedächtnisleistungen beobachtet werden als unter der Scheinstimulationsbedingung (Marshall et al., 2006). In einem identisch angewandten Versuchsdesign soll nun herausgefunden werden, ob dieser durch die Gleichstromstimulation erzeugte Einfluss auf die Lernprozesse auch bei älteren Probanden nachgewiesen werden kann.
- Wissenschaftliche Mitarbeiter Torsten Eggert und Alexander Marasanov
Mit der zunehmenden Verbreitung des Mobilfunks ist es in Teilen der Bevölkerung zu einer verstärkten Sorge um gesundheitliche Beeinträchtigungen durch diese Technologie gekommen. Für Deutschland ist diese Besorgnis sowie eine subjektiv erlebte gesundheitliche Beeinträchtigung durch jährliche Umfragen belegt, die seit dem Jahr 2003 - 2006 im Rahmen des Deutschen Mobilfunkforschungsprogramms durchgeführt wurden. Unter den genannten Beschwerden nehmen Befindlichkeitsstörungen - und hier in erster Linie Schlafstörungen - eine zentrale Rolle ein. Knapp 1% der Befragten geben an, unter Schlafstörungen zu leiden, die sie ursächlich auf den Mobilfunk zurückführen.
Bei der Betrachtung eines möglichen kausalen Zusammenhangs mit elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks (EMF) ist zu berücksichtigen, dass Schlafstörungen mit einer Häufigkeit von ca. 10-20% in der Bevölkerung generell weit verbreitet sind. Aussagekräftige Ergebnisse sind von Studien zu erwarten, in denen die Exposition (durch Handys oder Mobilfunkbasisstationen) experimentell variiert wird, die unter Sham-kontrollierten Bedingungen (Scheinexposition) in einem doppelblinden cross-over Design durchgeführt werden und in denen die Schlafqualität nicht nur subjektiv erfasst, sondern objektiv „gemessen“ wird. Hierzu wurden in unserer Arbeitsgruppe zwei Forschungsprojekte durchgeführt, die im Rahmen des deutschen Mobilfunkforschungsprogramms gefördert wurden:
Ziel des vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Rahmen des deutschen Mobilfunkforschungsprogramms geförderten Vorhabens war es zu klären, ob hochfrequente elektromagnetische Felder, die von Mobiltelefonen emittiert werden, die Gehirnaktivität beeinflussen können. Für hochfrequente Felder im zulässigen Expositionsbereich gibt es aus experimentellen Studien an Menschen einzelne Hinweise auf biologische Effekte, aber keine Hinweise auf ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.
Für die Exposition wurde eine spezielle am Kopf zu tragende Antenne entwickelt. Die Expositionen bei den Experimenten an 30 gesunden Probanden waren so beschaffen, wie sie beim Telefongebrauch von GSM- und UMTS-Geräten mit höchster Sendeleistung auftreten. In einem doppelblinden crossover Design mit randomisierter (durch Wahrscheinlichkeitsgenerator zugewiesen) Expositionszuordnung (inkl. Scheinexposition) wurden mögliche Einflüsse auf elektrophysiologische Prozesse im Gehirn sowie auf kognitive Leistungen untersucht. Am Tag wurden als Zielparameter das spontane Wach-EEG, evozierte und ereigniskorrelierte Potentiale sowie kognitive Funktionen auf unterschiedlichem Komplexitätsniveau herangezogen. Darüber hinaus wurde der Schlaf als Zustand einer Hirnaktivität auf anderem Niveau untersucht. Neben den klassischen Parametern zur Beschreibung des Nachtschlafes wurden Powerspektralwerte sowie eine Spindelanalyse in der Auswertung berücksichtigt.
Die Ergebnisse der Studie sind im Abschlussbericht auf der Homepage des BfS als pdf abrufbar. (http://www.emf-forschungsprogramm.de/forschung/biologie/biologie_abges/bio_080.html)
Es existieren Hinweise, dass die Schlafparameter, die Gehirnströme (EEG) und die intellektuelle Informationsverarbeitung unter Mobilfunkexposition, d.h. bei Feldintensitäten unterhalb der geltenden Grenzwerte, beeinflusst sind. Ob dies auch im Falle der noch wesentlich schwächeren Felder der Basisstationen der Fall ist, ist wurde in der Studie "Zum Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder (EMF) auf die Schlafqualität und das Wohlbefinden von Menschen im Umkreis von Basisstationen" untersucht.
Die Schwerpunkte des Projekts lagen in der Untersuchung diverser Schlafparameter bei Bevölkerungsgruppen, die im näheren Umkreis von Basisstationen des Mobilfunks (500 m) wohnen. Die Schlafqualität wurde unter häuslichen Bedingungen bei 397 Einwohnern von insgesamt zehn deutschen Ortschaften parallel mittels Befragung und mittels Registrierung physiologischer Parameter (Schlaf-EEG) untersucht, und zwar bei eingeschalteter sowie bei ausgeschalteter Basisstation. Dabei handelte es sich um eine Doppelblind-Studie im cross-over Design. Die Auswertung umfasste subjektive und objektive Daten, um Aufschluss über einen möglichen Einfluss der EMF auf die Schlafqualität analysieren zu können. Dabei wurden auch psychologische Komponente, wie z.B. die Einstellung zum Mobilfunk, berücksichtigt. Im Vorfeld der Studie wurde eine Machbarkeitsstudie erfolgreich durchgeführt.
Zusammenfassend zeigten sich keine Hinweise auf kurzfristige Auswirkungen elektromagnetischer Felder, wie sie von Mobilfunkbasisstationen ausgehen, auf die objektive und subjektive Schlafqualität in einer großen für Deutschland charakteristischen Bevölkerungsgruppe ergeben hat. Im Gegensatz dazu führte die Sorge um die Gesundheit genau in Bezug auf Mobilfunksendeanlagen zu einer bedeutsam schlechteren Schlafqualität, obwohl die Anlage nicht in Betrieb war.
Die Ergebnisse sind auf der Homepage des BfS im Abschlussbericht abrufbar. (http://www.emf-forschungsprogramm.de/forschung/biologie/biologie_abges/bio_095.html)
In einem aktuellen Projekt, welches von der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) und dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Zusammenarbeit gefördert wird (siehe dazu auch http://www.bfs.de/de/elektro/hff/papiere.html/tetra.html), wird der Einfluss des neu eingeführten digitalen Sprech- und Datenfunksystems für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (Digitalfunk BOS) TETRA auf die Gehirnaktivität von jungen gesunden männlichen Probanden im Wach- und im Schlafzustand untersucht. Mit endgültigen Ergebnissen ist nicht vor Ende 2013 zu rechnen.
Unser Labor initiiert klinische Studien und nimmt an klinischen Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit von Medikamenten für Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Schlafstörungen (Restless Legs Syndrom, Periodische Beinbewegungen im Schlaf, primäre Insomnie und Narkolepsie) teil. In den vergangenen Jahren waren wir Studienzentrum für mehrere Phase II- und III-Studien großer Unternehmen.
Eigens für die Betreuung und Untersuchung der Studienpatientinnen und -patienten arbeitet in unserem multidisziplinärem Team eine Studienärztin, die die Zusatzqualifikationen am Koordinierungszentrum für Klinische Studien (KKS) der Charité erworben hat.
Bei Interesse an einer Studienteilnahme in unseren Schlaflabor melden Sie sich bitte gerne jeder Zeit bei Frau Ney (Tel. 030-8445-8626).
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