Fragen und Antworten zur Schizophrenie
Die Schizophrenie ist in ihrem Verlauf zunächst charakterisiert durch eine so genannte prämorbide Phase mit unspezifischen Auffälligkeiten im Bereich der Konzentration und der sozialen Dysfunktion. Danach beginnt die prodromale Phase mit abgeschwächten Positivsymptomen und im Folgenden eine erste psychotische Episode (Erkrankungsbeginn). Diese tritt in der Regel zwischen 15 und 45 Jahren auf, frühere oder spätere Erstmanifestationen sind ausgesprochen selten. Frauen erkranken in der Regel 5-7 Jahre später als Männer.
Der Krankheitsverlauf ist individuell äußerst variabel. Charakteristisch sind immer wieder auftretende Episoden mit Positiv- und/oder Negativsymptomatik, die unterschiedlich stark auftreten können und zu einem unterschiedlicher Gesundungsniveau führen. Stressoren, die diese wiederholten Episoden auslösen können sind unter anderem Stress, Behandlungsabbruch oder Drogenkonsum.
Ein stabiles Plateau kann am Ende der wiederholt auftretenden Episoden bestehen bleiben, hier stehen dann nicht die Positivsymptome im Vordergrund sondern Negativsymptome und vor allem Konzentrations- und Auffassungsstörungen.
Eine Schizophrenie kann prinzipiell zu jedem Zeitpunkt dieses charakteristischen Verlaufes erfolgreich behandelt werden. Dies schließt sowohl die komplette Heilung aber auch deutliche Verbesserungen in Teilbereichen ein. Prognostisch ungünstig für den Verlauf einer Schizophrenie sind ein früher Erkrankungsbeginn, eine lange unerkannte und unbehandelte Krankheitsdauer, ausgeprägte Negativsymptomatik und massive kognitive Defizite.
Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO zählt die Schizophrenie zu den „most disabling psychiatric disorders“ weltweit. Ihre Bedeutung für die Gesellschaft ist umgekehrt proportional zu ihrer mit 1% doch recht geringen Auftretenswahrscheinlichkeit. Diese Einschätzung der WHO basiert zum einen auf der Tatsache, dass die Schizophrenie im Vergleich zu anderen psychiatrischen Erkrankungen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Frühverrentung vergesellschaftet ist. Diese Beeinträchtigungen führen bei den Betroffenen häufig zu einer massiv beeinträchtigten Lebensqualität.
Obwohl die Überzeugung und die Ängste der Gesellschaft gänzlich andere sind, ist eindeutig nachgewiesen, dass Schizophrene eher Opfer einer Gewalttat werden denn Täter sind. Es gibt zwar eine Beziehung zwischen dem Risiko zur Gewalt und dem Auftreten einer Schizophrenie, diese besagt aber, dass nur unbehandelte schizophren Erkrankte und vor allem Schizophrene, die zusätzlichen Substanzmissbrauch betreiben zu gewalttätigen Handlungen neigen.
Familien mit einem an Schizophrenie erkrankten Familienmitglied berichten über höhere subjektive und objektive interfamiliäre Belastungen und über geringere soziale Unterstützung durch Staat und Gesellschaft.