Fragen und Antworten zur Schizophrenie

Was sind die Ursachen der Schizophrenie?

Die Ursachen der Schizophrenie sind bis heute nur unzureichend geklärt. Sicher ist, dass es komplexer Interaktionen zwischen genetischer Veranlagung und Umwelt- bzw. Umfeldbedingungen bedarf, damit sich eine Schizophrenie entwickeln kann.

Es ist eindeutig nachgewiesen, dass die Schizophrenie in manchen Familien gehäuft auftritt. Ein krankes Familienmitglied erhöht das Risiko eines jeden Nachkommens ebenfalls an Schizophrenie zu erkranken. Dieses Risiko sinkt aber umso deutlicher je weiter entfernt der Grad der Verwandtschaft ist. Das höchste Risiko an einer Schizophrenie zu erkranken, hat ein eineiiger Zwilling, der nahezu 100% genetische Anlagen mit seinem Geschwister teilt. In diesem Fall beträgt das Risiko um die 50-60%. Ebenso hoch ist das Risiko eines Kindes, wenn beide Eltern an einer Schizophrenie erkrankt sind. Bei zweieiigen Zwillingen, die ca. 50% gemeinsame genetische Anlagen teilen sinkt dieses Risiko bereits auf 20% und ist damit vergleichbar einem Verwandten ersten Grades. Verwandte zweiten Grades (z.B. Großeltern) haben ein Risiko von 5-10%, Verwandte dritten Grades (z.B. Cousin) ein Risiko von bis zu 5%.

Ein erhöhtes Risiko von bis zu 3 % eine Schizophrenie zu entwickeln haben aber auch regelmäßige Cannabis- und Amphetaminkonsumenten und Kinder, die unter besonders schwierigen Schwangerschafts- und Geburtssituationen geboren werden, ohne dass hierbei ein Familienmitglied an einer Schizophrenie erkrankt ist.

Trotz des mit ca. 50-70% zu vermutenden genetischen Anteils bei der Schizophrenie ist festzuhalten, dass es kein einzelnes „Schizophrenie - Gen“ gibt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Kombination vieler genetischer Varianten gemeinsam dazu führen kann, dass diese Erkrankung auftritt. Unter welchen Bedingungen dies geschieht, welche einzelnen genetischen Veränderungen dazu beitragen, und wie es geschieht, dass bei dem einen die Erkrankung ausbricht und bei dem anderen nicht – dies ist noch völlig unklar.

Ebenso unklar ist die Bedeutung der Umwelt- bzw. Umfeldfaktoren für die Entwicklung einer Schizophrenie. Unter Umweltfaktoren versteht man biologische und psychosoziale Bedingungen während der pränatalen und perinatalen Lebenszeit, Bedingungen im Kindes- und Jugendalter, in der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter. Dies können die unterschiedlichsten Faktoren sein wie Infektionen, Geburtskomplikationen, Kindheitstraumata, Migration, Cannabiskonsum oder generell Stresserleben. Im Gegensatz zu den Erkenntnissen bezüglich der genetischen Grundlage der Schizophrenie muss eindeutig festgestellt werden, dass die tatsächliche Bedeutung von speziellen Umweltfaktoren für die Entwicklung einer Schizophrenie mehrheitlich vollkommen unklar ist und entsprechende Untersuchungen wissenschaftlichen Standards zumeist nicht standhalten.

Dies bedeutet nicht, dass diese Faktoren keine Bedeutung haben, sondern, dass es bisher keinen eindeutigen Beweis dafür gibt, dass einzelne Umweltfaktoren ohne genetische Veranlagung der Betroffenen regelmäßig eine Schizophrenie auslösen können.

Letzte Modifikation: 7.01.2010