Forschung im Modul

 

Die Forschungsgruppe Schizophrenie befasst sich schwerpunktmäßig mit der Erforschung neurokognitiver Defizite der Schizophrenie. Weitere Projekte umfassen die Untersuchung genetischer Mechanismen unerwünschter Wirkungen von Antipsychotika, die Entwicklung alternativer psychotherapeutischer Behandlungsstrategien sowie interkulturelle Stigmaforschung. Weiterhin untersuchen wir in Kooperation mit der Arbeitseinheit Biopsychologie der Ruhr-Universität Bochum den Zusammenhang zwischen Lateralität, Nikotin und Schizophrenie. Die einzelnen Projekte werden im Folgenden ausführlicher erläutert.


1. Neuropsychologische Endophänotypisierung der Schizophrenie


In diesem Schwerpunktprojekt der Forschungsgruppe wird die Bedeutung neurokognitiver Defizite im Zusammenhang mit genetischen Polymorphismen von Risikogenen der Schizophrenie untersucht. Auf Grundlage der so genannten „Endophänotyphypothese“ gehen wir davon aus, dass intermediäre Phänotpyen, also nur durch spezifische Tests messbare kognitive Defizite, eine engere Beziehung zur Genetik aufweisen als das klinische Bild der Schizophrenie. Über die Charakterisierung dieser Funktionsdefizite wird die Identifizierung von genetischen Variationen, welche mit der Ausprägung dieser Endophänotypen assoziiert sind, erleichtert. In einem letzten Schritt werden die so identifizierten Risikopolymorphismen zusammengefasst, um so eine genetisch basierte Charakterisierung der Schizophrenie zu erhalten.

Wir untersuchen deshalb so genannte exekutive Funktionen, d. h. höhere kognitive Funktionen mittels neuropsychologischer und neurophysiologischer Parameter. Im Mittelpunkt unserer Forschungsteht derzeit die Untersuchung visueller Aufmerksamkeitsdefizite bei Schizophrenie anhand des Attention Network Test. Hier zeigen sich charakteristische Defizite bei schizophrenen Patienten, die neuropsychologisch und elektrophysiologisch fassbar sind und zur genetischen Charakterisierung der Schizophrenie beitragen können.


Bei Fragen zu diesem Projekt kontaktieren Sie bitte andres.neuhaus@charite.de



2. Untersuchungen zu Mechanismen unerwünschter Wirkungen von Antipsychotika


2.a Ätiopathogenetische Mechanismen und Pharmakogenetik der Gewichtszunahme unter Antipsychotikatherapie


In dieser Studie werden mittels molekulargenetischer und neuroendokriner Methoden Mechanismen identifiziert, die zur Entstehung von Übergewicht im Rahmen einer Therapie mit antipsychotisch wirksamen Medikamenten beitragen. Die Gewichtszunahme unter den neueren Antipsychotika ist ein Problem, dem sich die klinisch-therapeutische Schizophrenieforschung in zunehmendem Maße stellt. Hier untersuchen wir spezielle genetische Variationen, die ein Risiko für eine Gewichtszunahme unter antipsychotischer Therapie darstellen können.


Bei Fragen zu diesem Projekt kontaktieren Sie bitte carolin.opgen-rhein@charite.de



2.b Untersuchungen zur Bedeutung genetischer Determinanten in der Ätiopathogenese der Clozapin-induzierten Agranulozytose


Diese Untersuchung dient der Identifizierung genetischer Variationen, die zu bedrohlichen Veränderungen des Blutbildes unter Therapie mit Clozapin führen können. Die Agranulozytose, also das eingeschränkte Funktion bestimmter weißer Blutkörperchen, ist ein zwar seltenes, jedoch bedrohliches Krankheitsbild, das den Einsatz von Clozapin, einem ansonsten sehr bewährten Medikament zur Behandlung der Schizophrenie, deutlich einschränkt. Eine Früherkennung gefährdeter Patienten wäre für die klinische Behandlung der Schizophrenie von größtem Nutzen.


Bei Fragen zu diesem Projekt kontaktieren Sie bitte michael.dettling@charite.de



3. Pferdegestützte Therapie der Schizophrenie


Die pferdegestützte Therapie ist als integratives, begleitendes Therapieelement der stationären, teilstationären oder auch ambulanten Behandlung der Schizophrenie ausgerichtet. Dieses Gruppenangebot wird im Rahmen eines Studien- und Kooperationsprojektes als festes Therapieelement der stationären oder tagesklinischen Behandlung von Patienten mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis angeboten werden. Hier soll in einem bundesweiten Pilotprojekt die Wirksamkeit pferdegestützter Therapie insbesondere im Hinblick auf die so genannten „Negativsymptome“ der Schizophrenie wie Antriebsarmut, Freudlosigkeit und mangelnde emotionale Ansprechbarkeit untersucht werden.


Bei Fragen zu diesem Projekt kontaktieren Sie bitte carolin.opgen-rhein@charite.de



4. Implementierung einer Spielsoftware zu Testung und Training der visuellen Aufmerksamkeit


Dieses Projekt widmet sich der Untersuchung visueller Aufmerksamkeitsdefizite bei Schizophrenie sowie deren Therapie durch computergestütztes Training. Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass gerade kognitive Defizite der visuellen Aufmerksamkeit spielerisch durch PC-Programme zumindest teilweise kompensiert werden können. Im Rahmen dieses Projektes wird eine Spielesoftware für das Training spezifischer Komponenten der visuellen Aufmerksamkeit entwickelt, die bei Schizophrenie gestört sind.


Bei Fragen zu diesem Projekt kontaktieren Sie bitte carsten.urbanek@charite.de



5. Interkulturelle Stigmaforschung zur Schizophrenie


In diesem Projekt wird untersucht, inwieweit Stigmatisierung mit dem jeweiligen kulturellen Hintergund der Patienten zusammenhängt. Beispielhaft wird hier in Zusammenarbeit mit der Vietnam-Ambulanz unserer Klinik untersucht, ob und wie sich vietnamesiche Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen von deutschen Patienten im Hinblick auf Stigmatisierung, Krankheitskonzept und sozioprofessionellen Defiziten unterscheiden. Im Rahmen einer weiteren Studie zur interkulturellen Einstellungsforschung wird außerdem untersucht, inwiefern und abhängig von welchen Faktoren sich Einstellungen gesunder in Deutschland lebender Probanden mit vietnamesischem Migrationshintergrund der 1. und 2. Generation von in Vietnam lebenden Probanden unterscheiden.


Bei Fragen zu diesem Projekt kontaktieren Sie bitte eric.hahn@charite.de



6. Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Lateralität, Nikotin und Schizophrenie


Im Rahmen dieses Projekts untersuchen wir den Zusammenhang von zerebraler Lateralisierung und Nikotinabhängigkeit bei Schizophrenie. Unter zerebraler Lateralisierung versteht man die Spezialisierung der einzelnen Hirnhälften auf bestimmte Funktionen, beispielsweise die Spezialisierung der linken Hirnhälfte auf die Sprache. Viele Untersuchungen weisen auf eine Störung dieser Lateralisierung bei Schizophrenie hin. Hier wird die Frage untersucht, inwieweit sich Lateralisierung, Nikotinkonsum und Schizophrenie gegenseitig bedingen, da auch der bei schizophren Erkrankten deutlich häufiger vorkommende Nikotinkonsum Einflüsse auf die Lateralität ausüben kann. Diese Untersuchung wird in enger Kooperation mit dem Exzellenscluster der AG Biopsychologie der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Prof. O. Güntürkün durchgeführt.


Bei Fragen zu diesem Projekt kontaktieren Sie bitte eric.hahn@charite.de

Publikationen

Letzte Modifikation: 18.08.2010