Memorandum zu Chancen und Risiken des Neuroenhancements

Studenten, die zur Prüfungsvorbereitung Aufputschmittel einnehmen; Angestellte, die länger wach bleiben und konzentriert arbeiten wollen; Personen, die ihre Stimmung mit Antidepressiva aufzuhellen ver­suchen – in jüngerer Zeit häufen sich Berichte über gesunde Men­schen, die mit Psychopharmaka ihre kognitiven Fähigkeiten oder ihre emotionale Befindlichkeit zu verbessern trachten. Hinzu kommen Meldungen über Medikamente, die solche Effekte angeblich hervor­bringen können. Ob es derzeit einen regelrechten Trend zur nicht-therapeutischen Nutzung von Psychopharmaka, dem sogenannten Neuroenhancement, gibt, ist ebenso unklar wie die Wirksamkeit der Präparate bei Gesunden. Dennoch ist die öffentliche Debatte zum Neuroenhancement in vollem Gang: Wie, so lautet die Kernfrage, sollen wir diese neuen Möglichkeiten der Selbstverbesserung beur­teilen, wenn sie denn in Zukunft tatsächlich wirksam wären?

Um die Potentiale und Risiken des pharmazeutischen Neuroenhance­ments aus wissenschaftlicher Sicht zu beurteilen, hat das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung seit 2006 eine interdiszipli­näre Forschungskooperation finanziert, die von der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbHkoordiniert wird. Unser medizinisches Teilprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Isabella Heuser wertete die Forschungsliteratur zu den Wirkungen und Nebenwirkungen der meistdiskutierten Enhance­ment-Präparate aus. Parallel dazu untersuchten Medizinethiker und Juristen die Stichhaltigkeit der Bedenken, die gegen die medikamen­töse Verbesserung psychischer Eigenschaften vorgetragen werden.

Die wichtigsten Ergebnisse dieses Forschungsprojekts sind nun in einem Memorandum veröffentlicht, das in der November-Ausgabe der Zeitschrift „Gehirn&Geist“ erscheint. Die darin enthaltenen Emp­fehlungen zur verantwortungsvollen Erforschung und Nutzung des pharmazeutischen Neuroenhancements haben die Autoren am 12. Oktober 2009 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) zur Diskussion gestellt.

Letzte Modifikation: 7.01.2010